Mackmyra Bruk

                                      

 

Eisen in Gästrikland

VORGESCHICHTLICHER HINTERGRUND

Dir ältesten bekannten Schmelzöfen in Gästrikland stammen aus der Zeit um Christi Geburt. Zwischen dem 5. und 11. Jahrhundert war die Produktion besonders intensiv.

Spuren dieser frühen Eisengewinnung findet man hauptsächlich in den westlichen Provinzteilen, aber auch in der Gegend von Gävle. Schlackenhalden und Reste von Schmelzöfen liegen meist in der Nähe heutiger Dörfer und geben Aufschluss über deren lange Geschichte. Dank der Eisenherstellung lebten die damaligen Bauern in relativ großem Wohlstand, was sich in reichen Grabfunden widerspiegelt. Das Eisen wurde in einfachen Öfen gewonnen, hauptsächlich aus See- oder Sumpferz.

 

DIE BERGMANNEPOCHE

Während des Mittelalters wurde die Eisengewinnung aus See- oder Sumpferz mit einfachen Windöfen aufgegeben. Stattdessen wurde nun Eisenerz bergmännisch abgebaut und in Hochöfen geschmolzen. In Torsåker, im südwestlichen Teil Gästriklands, gab es größere Eisenerzvorkommen. Hier und in Ovansjö erhielten die Bergbauern 1374 gewisse Privilegien für den bergmännischen Abbau. So wurde ihnen z.B. gestattet, einen Teil ihrer Steuern in Eisen zu bezahlen. Die Bergleute haben sowohl Landwirtschaft als auch Bergbau betrieben. Ihre bedeutendste Phase hatte die Bergmannkultur vom Mittelalter bis Mitte des 18.Jahrhunderts. der Bergbau wurde aber noch bis Ende des 19. Jahrhunderts betrieben, wenn die Konkurrenz von neuen Methoden zur Eisenerzeugung übermächtig wurde.

 Die Bergleute bauten das Eisenerz in unzähligen Gruben ab, schmolzen er in Hochöfen ab und veredelten das Roheisen zu schmiedbarem Stabeisen. Dieses wurde dann über die Handelshäuser von Gävle u. a. and Ausland verkauft. Vom zeitweiligen Wohlstand der Bergleute zeugen deren prachtvolle Gutshöfe, von denen mehrere bis in die heutige Zeit erhalten sind. Die Bergmansdörfer entstanden an Wasserkraft für den Antrieb der Blasebälge in den Schmelzöfen sowie des Hammerwerks lieferten. Die Häuser waren um den Verhüttungsofen, die Schackenhalden und das Hammerwerk angeordnet.

 

DIE HÜTTENEPOCHE

Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts war die große “Hüttenepoche“ in Gästrikland.

 Im Jahre 1644 erhielt Tolvfors, das erste Hüttenwerk Gästriklands, seine Privilegien. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts waren die meisten Hütten der Provinz gegründet. Technologische Verbesserungen, wie die sog. Französiche Hochöfen, und weiterentwickelte Schmiedetechniken forderten große Investitionen. Der Staat ermutigte finanzkräftige Kaufleute und Personen von höherem Stand, Hüttenwerke anzulegen. Diese Anlagen erlaubten effektivere und umfangreichere Eisenverarbeitung als die Hammerwerke der Bergleute. Ihr typische Erscheinungsbild erhielten die Hütten gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als die Hüttenorte so geplant wurden, dass die Industrianlagen mit Luppenschmiede und manchmal auch die Verhüttungsöfen zentral in den Ortschaften an den Wasserläufen lagen. Mit der Wasserkraft wurde die gesamte Anlage angetrieben. Etwas abgesondert aber gut sichtbar, stand am Ende der Hüttensitz, wovon er einen guten Überblick über die ganze Hütte gab. Die Wohnungen der Schmiede und Hüttenarbeiter reihten sich ordentlich zu einer oder beiden Seiten der Hüttenstraße auf.

 Die Hütten waren Selbstversorger und verfügten über große Landwirtschaft. Meistens besaßen sie auch eigene Sägewerke, Mühlen und Kleinschmieden zur Fertigung und Reparatur and Werkzeug. Neben Schmieden und Hüttenarbeitern waren viele Arbeitskräfte in der Landwirtschaft angestellt. Die Hütten waren von dem Zugang zu Kohle völlig abhängig, weshalb es auf ihren Ländereien Pächter gab – sog. Kohlekätner – die ihre Pacht durch Meilerverkohlung und Kohlenfuhren bezahlten.

 Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hat eine grundlegende Veränderung der Eisenverarbeitung begonnen. Neue Methoden, wie Schmieden mit Lancashire-Frischherden und Walswerke, steigerten die Produktion und forderten größere Fertigungseinheiten. Das Bessemer-verfahren und später auch des Siemens-Martin-Verfahren waren bahnbrechend. Diese Entwicklung in Verbindung mit anderen technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen trugen dazu bei, dass es für kleinere und kapitalschwächere Hütten immer schwieriger wurde, in neue Anlagen zu investieren. Die letzten zehn Jahre des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Hochöfen niedergelegt und die Hammerwerke in den Luppenschmieden verstummten für immer.

ENTSTEHUNG DER EISENWERKE

In der Provinz Gästrikland gibt es heute nur noch drei Eisenwerke. Zwei der Industriebetriebe, die den “Hüttentod“ am Ende des 19.Jahrhunderts überlebten, lassen sich auf alte Bergmannshammerwerke zurückführen – Hofors und Forsbacka. Beim dritten Werk – Sandviken – entstand eine völlig neue Ortschaft. Am 14 März 1862 tat man die ersten Spatenstiche für diese Industrieanlage, die für die optimale Nutzung des Bessemerverfahrens konstruiert war. Traditionelle Faktoren wurden bei der Standortwahl des Sandvikenwerks außer Betracht gelassen. Während für die vormaligen Hütten der Zugang zu Wasserkraft und Rohstoffen wie Kohle und Erz von entscheidender Bedeutung waren, sollte das entscheidende Argument, das für Sandviken sprach, dessen günstige Verkehrslage sein. Die Gävle-Dala Eisenbahn, die das alte Gebiet der Hütte Högbo am Ufer des Storsjöns entlang durchquerte, trug in entscheidendem Ausmaß zu diesem Beschluss bei.

 Auch die Verkauforganisation änderte sich.  Hatten die Eisenhütten ihre Produkte bisher über bestimmte Handelshäuser abgesetzt, nahm man in Sandviken den verkauf an Binnen – und Exportmärkte in die eigne Hand.

 Die Eisenwerke entwickelten auch ihre Veredlungskapazität immer weiter. Die vormaligen Hütten hatten in der Regel ein einziges Produkt hergestellt und verkauft – Stabeisen. Di großen Eisenwerke waren nun gezwungen, sich auf ein bereites Produktangebot zu spezialisieren. Sandviken war darauf ein typisches Beispiel. Während der ersten Jahrzehnte seines Bestehens wurde in dem Werk fast alles hergestellt, von Kanonenrohren bis zu Schirmstäben.

 MODERNE HÜTTENORTSCHAFTEN

Die Ortschaften, die sich um die Eisenwerke Forsbacka und Hofors bildeten, können auf eine lange Hüttentradition zurückblicken. Als 1862 das Sandvikenwerk gegründet wurde war es auf bis dahin unbebautem Gebiet. Während der Bauarbeiten wohnten die Arbeiter in Holzbaracken, aber bereits während des ersten Jahres nach der Inbetriebnahme der Fabrik ließ die Werksleitung anständige Wohnungen für die Arbeiter errichten.

 Jedes Reichenhaus enthielt bis zu vier Wohnungen mit Küche und einem Zimmer oder aber acht Einzelräume mit Heizofen. Im Hüttenviertel Sandviken entstanden erst ein-, später auch zweistöckige Reihenhäuser. Man arbeitete på Verket (im Werk) und wohnte på Bruket (in der Hütte), wo die ungeschriebenen Gesetze der Werksleitung geltende waren. Nördlich Bruket (der Hütte) entstand Yttre Sandviken (das Äußere Sandviken) – heute das Stadtzentrum Sandvikens – ganz ohne Stadtplanung.

 Kaufleute und Handwerker ließen sich hier nieder. Die frühen Volksbewegungen konnten unbehindert hier wirken denn Bolaget (die Hüttengesellschaft) hatte in diesem Teil Sandvikens keinen Einfluss. Yttre Sandviken (das Aussehe Sandviken)  mit Kaufleuten, Handel und neuen Ideen, bildete ein wichtiges Komplement zum von der Hüttenleitung kontrollierten Hüttenviertel. Um die Zusammengehörigkeit zwischen Bolaget (der Hüttengesellschaft) und dem Hüttenviertel zu unterstreichen, ließ  die Werksleitung einen Zaun zwischen Bruket (der Hütte) und Yttre Sandviken (dem Äußeren Sandviken) errichten.  Die Gesellschaft wollte einen Unterschied zwischen Uns und Den anderen markieren. Der Zaun stand noch einige Zeit ins 20. Jahrhundert da.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Historischen Foto

(zum Vergrößern anklicken)


Herrenhaus 1885


Parke ingang 1885


Alle Kastanien 1930


Parke ingang  1930


Pavillon 1939